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Dieser Artikel wurde am 21. Februar 2006 um 03:55 Uhr in der Rubrik Vogelgrippe (Aktuell) veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Bundesminister an der Wittower Fähre

Ein ungewöhnlicher Besuch am Tag bevor der Katastrophenfall ausgerufen wurde

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Horst Seehofer (2. v. links): Warum war er wirklich an der Wittower Fähre? Foto: Urban

Von Wolfgang Urban

Wittower Fähre. Weil nördlich und südlich der Wittower Fähre der bisherige Schwerpunkt des Auftretens der Vogelgrippe gewesen ist, habe man hier Seuchenmatten aufgebaut, erklärte am Samstag gegen 9.30 Uhr Rügens Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke.PDS) dem Bundeslandwirtschaftsminister. Horst Seehofer (CSU) fragte daraufhin: Also da kommt jetzt niemand mehr rein in diese Sperrzone? Die offensichtlich über diese Frage verwunderte Rügener Landrätin antwortete: Doch, man kommt hier rein in diese Sperrzone. Hatte der Bundeslandwirtschaftsminister zu diesem Zeitpunkt noch nicht mitbekommen, dass er sich mitsamt den extra eingeladenen Medienvertretern in der 3-km-Sperrzone an der Wittower Fähre befand?

An den Fragen wie auch den Antworten wurde an der Wittower Fähre deutlich, dass es einen problematischen Umgang mit dem Wort Absper-rungen gibt. Das setzte sich anschließend in der überregionalen Medienberichterstattung fort. Seehofer fordert mehr Absperrungen auf Rügen war am Sonntag zu lesen. Aber was bedeutet eigentlich Absperrung im Zusammenhang mit Vogelgrippe? Gegenüber offensichtlich falschen Vorstellungen von Medienvertretern erklärte Landwirtschaftsminister Backhaus an der Wittower Fähre: Wir haben die EU-Verordnung ... zu 100 Prozent umgesetzt. Dass Fahrzeug-Verkehr und Personen-Verkehr stattfinden darf, das ist durch diese Verordnung abgesichert. Aber das Gebiet ist als solches abzusperren.

Mit der Errichtung der 3-km-Sperrzone an der Wittower Fähre wurde eben das Gebiet auch tatsächlich zunächst nicht unpassierbar gemacht. Vielmehr galt hier zunächst lediglich ein Transportverbot für Geflügel und der Handel mit Geflügel wurde untersagt. Ferner wurden an einigen Uferabschnitten Absperrungen errichtet, damit niemand dort mit toten Tieren bzw. Ausscheidungen von infizierten Tieren in Berührung kam. Erst seit Sonntag durfte keiner mehr dort sein Auto verlassen, wo Bundesminister Seehofer und die Medienvertreter auf den Fotos zu sehen sind. Ist das einfache Volk etwa weniger immun gegen die Ansteckung durch die Vogelgrippe als die Politiker und Medienvertrer auf den Fotos nebenan? Am Montag wurde sogar festgelegt, dass nur noch Einsatzfahrzeuge die Wittower Fähre benutzen dürfen. Um so nachdenkenswerter stimmt es, dass Seehofer ausgerechnet hier in die Kameras sagte: ... man muss absperren ... Frau Landrätin ... Über die Absperrmaßnahmen in solchen Fällen müssen wir im Krisenstab reden, ob man hier noch was ver-schärfen muss. Das machen wir in Schwerin ... Die Bundeswehr hat ihre grundsätzliche Unterstützung ... zugesagt. Die Gespräche mit dem Verteidigungsminister haben stattgefunden. Die Landesregierung hat dies aufgegriffen. Insofern ist von dieser Seite her alles organisiert. Warum hat Seehofer das nicht einfach in Berlin oder Schwerin gesagt? Warum brauchte er dazu Kameras in einer Sperrzone auf Rügen?