Bürgerproteste begleiten Stadtvertretersitzung
Politische Verantwortungsträger beschließen Gründung einer Arbeitsgruppe zum Thema Funkmast
Von Robby Günther
Putbus. Wütende Proteste von Putbusser Bürgern begleiteten die letzte Stadtver-tretersitzung am Dienstag vergangener Woche! Über 80 Kinder und ihre Eltern, besorgte Einwohner und auch Groß-eltern hatten sich vor dem Rathaus eingefunden, um gegen den installierten Funkmast zu protestieren und die politischen Verantwortungsträger nach Beginn der Sitzung zur Rede zu stellen. Die Stadtvertretung hatte im Februar letzten Jahres beschlossen, dem Antrag auf Errichtung einer Funkmastantenne auf dem Mühlenberg zuzustimmen. Der Mast wurde in diesem Jahr erbaut, knapp 150 Meter von der Kita Kleiner Fratz entfernt. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, um für den sofortigen Abbau zu kämpfen (der RÜGANER ANZEIGER berichtete). Auf Anraten des Ältestenrates der Stadtvertretung wurde nunmehr während der letzten Sitzung das Thema nochmals ausführlich besprochen. Nach rund 45 Minuten Debatte in die auch Sprecher der Bürgerinitiative eingebunden waren verständigte sich das Parlament darauf, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die möglichst Gründe suchen soll, damit die Stadt aus dem Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber wieder aussteigen kann. Der Mobilfunkbetreiber will den über 50 Meter hohen Mast spätestens am 11. Juni in Betrieb gehen lassen.
Die Mitglieder der Bürgerinitiave werfen Bürgermeister Harald Burwitz (FDP) und den Stadtvertretern mangelnde Informationen der Öffentlichkeit vor. Erst im Februar dieses Jahres mit Baubeginn wurden die Bürger auf das ihrer Meinung nach gefährliche und für die Menschen schädliche Vorhaben aufmerksam. Deshalb wurden auch 12 Kreuze mit verschiedenen Aufschriften am gemeindeeigenen Grundstück am Mühlenberg 19 aufgehängt. Wir lassen uns nicht weiter verschaukeln, weg mit dem Mast, forderte Uta Holz als eine der Sprecherinnen vor den Bürgern. Und Ehemann Stefan Holz während der Stadtvertretung: Wir werden die Fehlentscheidung der Stadt nicht akzeptieren!
Er appellierte an die anwesenden Stadtvertreter, dass sie eine moralische Verpflichtung hätten, Schaden von den Bürgern abzuwenden. Parteiübergreifend machte sich an diesem Sitzungsabend Unbehagen über die entstandene Situation breit. Falls die Arbeitsgruppe wirklich anfechtbare Punkte in dem Vertrag finden sollte, dann soll schnellstens mittels eines Anwaltes rechtlich dagegen vorgegangen werden. Dazu haben die Stadtvertreter einen weiteren Beschluss gefasst, der den Einsatz von Rechtsmitteln in solch einem Fall autorisiert.
Seitens der Abgeordneten sind Dr. Reinhard Wendtland, Gerd Hurtienne und Burkhard Lenz als Mitglieder für die Arbeitsgruppe bestimmt worden. Hinzu kommen drei Vertreter der Bürgerinitiave, die laut eigenen Aussagen bereits mit ihrem Anwalt Vorarbeit geleistet haben, um den Vertrag anfechten zu können, wie es während der Sitzung in diesem Zusammenhang hieß. Burkhard Lenz, gleichzeitig CDU-Landtagsabgeordneter, informierte während der Sitzung, dass er eine Anfrage an den Betreiber gestellt habe, wie konkret die Bestückung des Mastes mit Funkspiegeln aussehen soll. Bisher steht eine Antwort allerdings aus, so Lenz weiter. Die Gegner der Mastanlage befürchten, dass dort zwischen 20 und 35 Spiegel installiert werden könnten. Worte wie Krebs, Leukämie und Strahlentod bestimmten die allerdings sachlich geführte Diskussion zwischen den politischen Verantwortungsträgern und der Bürgerinitiative.
Über 1.000 Unterschriften gegen die Inbetriebnahme des Mastes haben die Gegner bisher gesammelt, ob sie und andere in Angriff genommene Maßnahmen nutzen, steht nunmehr völlig offen.
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