Betriebsausschuss hinterfragt Finanzen bei Katalog
Harald Schewe: Diesen Luxus können wir uns nicht mehr leisten
Von Robby Günther
Ostseebad Binz (gü). Harte Debatten um die Finanzen des kommunalen Eigenbetriebes Kurverwaltung! Die Mitglieder des Betriebsausschusses der Gemeindevertretung tagten am Montag dieser Woche und hinterfragten das finanzielle Engagement der Kurverwaltung bei der Herstellung des jährlich erscheinenden Gastgeberkatalogs des Fremdenverkehrsvereins. Vorsitzender Harald Schewe (CDU): In Zeiten knapper Kassen ist dieser Einsatz von Mitteln der Kurverwaltung nicht mehr gerechtfertigt. Hintergrund der Diskussion: Schewe hatte sich für die letzte Sitzung von Kurdirektorin Petra Wolter eine Kostenübersicht für die Gastgeberzeichnisse der Jahre 2006 und 2007 zuarbeiten lassen. Demnach hat sich der kommunale Eigenbetrieb mit über 60.000 Euro an der Herstellung des Katalogs im letzten Jahr für die Saison 2006 beteiligt. Beim Fremdenverkehrsverein lagen allerdings komplett die Umsatzerlöse in Höhe von 154.250 Euro. In diesem Jahr war die Kurverwaltung bei der Neuauflage mit knapp 20.000 Euro dabei.
Kurdirektorin Wolter erklärte den Ausschussmitgliedern, dass es aus historisch gewachsenen Gründen eine Beteiligung der Kurverwaltung bei der Herstellung des Katalogs gebe. Wir haben uns als Kurverwaltung immer um die Herstellung der Imageseiten gekümmert, beim Verein als Eigentümer des Katalogs lag die Gestaltung der Anzeigenseiten, so Wolter. Sie bezeichnete eine vorliegende Vereinbarung zwischen Verein und Kurverwaltung als Tabuthema, das in den letzten Jahren politisch nicht angefasst wurde und verwies auf Zeiten, als es der Kurverwaltung noch besser ging . Genau das störte allerdings einige Mitglieder des Ausschusses. Harald Schewe forderte während der Debatte alle Mitglieder auf, sich mit dem Thema gründlich zu beschäftigen. Diese Vorgehensweise ist in Frage zu stellen. Wir müssen diskutieren, wie das künftig aussehen kann, so sein Fazit. Dem pflichteten auch Oliver Waechter, Ulf Dohrmann und Gisela Lemke bei. Wenn der Ausschuss eine Neuregelung wünscht, muss man das mit dem Vorstand des Vereins in Ruhe besprechen. Wir als Kurverwaltung stehen diesem Thema sehr gelassen gegenüber, entgegnete Petra Wolter. Am heutigen Mittwoch tagt der Vorstand des Vereins. Norbert Diener, stellvertretender Kurdirektor und Mitglied im Vorstand, soll die Sichtweisen des Ausschusses heute seinen Vorstandskollegen mitteilen, wie Kurdirektorin Petra Wolter einen ersten kurzfristigen Schritt am Montagabend benannte.
Im Zuge der Diskussion schauten die Binzer auch über den berühmten Tellerrand hinaus und bemühten das in diesem Jahr in Sellin stattgefundene Prozedere als Beispiel für künftige Binzer Verhältnisse. In Sellin hat der bisherige Fremdenverkehrsverein den Katalog und seine Geschäftsstelle mit Zimmervermittlung komplett in die Kurverwaltung überführt. Danach fusionierten Fremdenverkehrs- und Gewerbeverein zu einem Verein, der sich als Lobbyverein für seine Mitglieder sieht. Ein Modell, das sich Harald Schewe auch im größten Seebad der Insel vorstellen könnte. Neben den finanziellen Aspekten zu Ungunsten der Kurverwaltung bemängelte er auch das fehlende gesellschaftliche Engagement des Binzer Fremdenverkehrsvereins. Wir können uns diesen Luxus so nicht mehr leisten, beendete er die Debatte und war sich mit seinen Ausschussmitgliedern einig, dass nunmehr in aller Ruhe diese Thematik diskutiert werden müsse.
Zu Beginn der Sitzung hatte Kurdirektorin Wolter den Wirtschaftsplan der Kurverwaltung vorgestellt. Demnach sind bei den Erträgen und Aufwändungen 3.466.800 Euro eingestellt. Im Vermögensplan sind Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 619.300 Euro zu verzeichnen. Die Kurverwaltung nimmt 2007 keine Kredite auf, der Kassenkredit ist auf 500.000 Euro festgesetzt. Erstmalig wurden rund 50.000 Euro als Einnahme aus der Spielbank Binz eingestellt. Die Kurverwaltung möchte im kommenden Jahr mit dem ersten Teil der Sanierung der Seebrücke beginnen. Ein Kostenvolumen von rund 300.000 Euro zwingt den Eigenbetrieb dabei, das Vorhaben in zwei Jahresscheiben zu realisieren. Je nach Witterung werden die Arbeiten im Frühjahr oder Herbst durchgeführt. Es sollen komplett die Geländer sowie der Bohlenbelag erneuert werden. Rund sechs Wochen Bauzeit ist dafür eingeplant, so Wolter. Ansonsten wird die Kurverwaltung lediglich kleinere Investitionen im kommenden Jahr realisieren.
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