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Dieser Artikel wurde am 08. März 2006 um 01:05 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Berufliche Frühorientierung wird zunehmend wichtiger

Immer früher und intensiver werden Schüler auf den Berufsausbildungsprozess vorbereitet

Bergen auf Rügen. Niemand muss mehr unvorbereitet in das Berufsleben eintreten, sagt Heinz Neubeck, Schulleiter der Realschule Am Rugard in Bergen. Er bezieht sich damit auf die seit Jahren in den Klassen neun und zehn stattfindenden Praktika. Diese bieten den Schülern die Möglichkeit, 14 Tage lang den Alltag in einem Betrieb kennen zu lernen.

Dabei erhalten sie Einblicke in das jeweilige Berufsfeld. Doch die Jugendlichen sammeln nicht nur praktische Erfahrungen, sondern es erfolgt auch eine weitsichtige Orientierung im Zusammenhang mit der Bewerbung in der Theorie. Dies geschieht unterrichtsbegleitend in den Fächern AWT, Deutsch und Informatik. Es werden unter anderem fiktive Bewerbungsgespräche mit den Schülern geführt, erzählt Karl-Heinz Freitag, Schulleiter der Regionalen Schule Bergen. Diese Aufgabe übernehmen an beiden Bildungseinrichtungen zum Beispiel Auszubildende der Sparkasse Rügen. Oftmals führen sie mit den Schülern noch zusätzlich spezielle Einstellungstests der Sparkasse Rügen durch. Oder sie beantworten Fragen zu ihrem eigenen Ausbildungsweg und Beruf. Diese Gespräche finden bei den Schülern großen Anklang. Vor allem da sich Schüler und Azubis oft von der Schule kennen, meint Neubeck. Zusätzlich finden im Rahmen des Landesprogramms Berufsfrühorientierung in M-V Projekte statt, welche den Jugendlichen helfen, sich auf die Berufswahl vorzubereiten oder mehr Flexibilität und Mobilität zu erlangen. Denn diese Kompetenzen fordert der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zunehmend. Gefördert wird das Landesprogramm von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Das Programm basiert auf der Förderung von Projekten freier Träger der beruflichen Bildung, Jugendbildung und auch Jugendhilfe. Auf Rügen sind diese das Bildungszentrum Nordost (BZNO) und das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. (CJD). Projektleiter sind Kathrin Schmunck (BZNO) und Volkmar Albert (CJD). Mit der Realschule Am Rugard, den Regionalen Schulen Sagard, Gingst, Sellin und Altenkirchen arbeitet Kathrin Schmunck. Volkmar Albert dagegen ist unter anderen für die Regionalen Schulen Bergen, Sassnitz, Göhren und Binz zuständig. Die Berufsfrühorientierung (BFO) richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahre beziehungsweise an Schüler ab der achten Klasse. Die Teilnahme an diesem Projekt ist freiwillig. Pro Jahr finden, laut Schmunck, zwei Durchgänge innerhalb eines Schuljahres statt. Sie umfassen jeweils 78 Stunden, wobei diese Zahl je nach Träger variiert. So dauert das Projekt bei Albert (CJD) 45 Stunden. Gleich ist jedoch, dass ungefähr ein Drittel der Zeit in die Theorie, der größere Teil in Praktika investiert wird. Da dieses Projekt außerschulisch ist, finden die Seminare nachmittags statt. Trotzdem nutzen die Jugendlichen es rege. So fanden an den von Kathrin Schmunck betreuten Schulen bereits acht Durchgänge statt. Von den 769 Teilnehmern und Teilnehmerinnen absolvierten 622 Schüler und Schülerinnen die BFO erfolgreich und bekamen dies zertifiziert. Im Rahmen des Projektes können die jungen Leute Einblicke in mindestens drei Berufsfelder, zum Beispiel Küche, Farbe und Holz erhalten. Diese können sie in verschiedenen Betrieben Rügens kennen lernen. Im Zuge der Theorie erhalten die Jugendlichen Bewerbungstraining. Denn manchmal müssen sie sich schriftlich bewerben. Doch meist reicht es, wenn sie sich bei dem jeweiligen Betrieb persönlich vorstellen. Doch auf diese Vorstellungsgespräche sind sie dank der Seminare gut vorbereitet. In einigen Theoriestunden werden auch standardisierte Tests durchgeführt, um herauszufinden, wo die Stärken und Schwächen des Einzelnen liegen. Außerdem gibt es Schüler-Azubi-Gespräche, Besuche im Berufsinformationszentrum (BIZ) oder einzelner Betriebe. Das Ziel der BFO ist es, junge Menschen auf den Berufsausbildungsprozess so vorzubereiten, dass Ausbildungsabbrüche verhindert werden und die Schülerinnen und Schüler Chancen und Perspektiven in ihrem zukünftigen Beruf erkennen, erläutert Schmunck. Zusammen mit den unterrichtsbegleitenden Maßnahmen wird den Schülern somit die Möglichkeit geboten sich vielseitig zu informieren. Kathleen Last (15) und Maria Boese (15), Schülerinnen der Regionalen Schule Bergen, sind begeistert. Sie hoffen, dass sie nach Beendigung der Schule bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Auch Maria Lubomski (15) besucht die Regionale Schule Bergen. Ihr gefällt vor allem die Möglichkeit, die praktische Seite ihres Berufswunsches erleben zu können.

Karen Dahlke

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