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Dieser Artikel wurde am 31. März 2010 um 09:33 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Bergen auf Rügen: Fachtagung in Altstadtschule bringt es auf den Punkt

Integrative Grundschule ist die Schulform der Zukunft - wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Bergen auf Rügen (apf). Am 22. März fand eine Fachtagung zum Thema „Präventive und Integrative Grundschule“ in der Bergener Grundschule „Altstadt“ statt, deren Podium etwa 150 Schulleiter, Lehrer, Erzieher und Elternvertreter der Insel nutzten, um sich zum Thema zu informieren. Unter der Schirmherrschaft des Staatssekretärs des Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur M-V, Udo Michallik, stellte sich die Tagung dem seit dem vergangenen Herbst mit Für und Wider diskutierten Thema, künftig, beginnend mit den Einschulungen zum Schuljahr 2010/2011, die Schullandschaft als Modellprojekt auf Rügen zu verändern. „Die Sonderpädagogische Förderung wird in den nächsten Jahren in M-V schrittweise und sehr behutsam verändert. Ziel ist es, Kinder mit Beeinträchtigungen im Lernen soweit wie möglich in das Regelschulsystem zu integrieren und so für mehr Chancengleichheit zu sorgen“, so Bildungsstaatssekretät Udo Michallik. In den vergangenen Monaten gab es zu diesem Für auch Wider, besonders von besorgten Eltern, die einerseits befürchten, dass ihre (nicht lernbeeinträchtigten) Kinder unter dieser Art der Schule leiden könnten und andererseits, dass die anvisierten personellen sowie materiell-technischen Voraussetzungen an Rügener Grundschulen nicht gegeben wären.

Eigens zu diesem Fachtag war kein Geringerer als der europaweit anerkannte Direktor des „Heilpädagogischen Institutes Fribourg“ (Schweiz), Prof. Dr. habil. Gerard Bless. Und er wurde schon mit den ersten Sätzen seines Referates „Eine integrationsfähige(re) Schule - Grundlagen ihrer Realisierung“ beiden Seiten der in der Diskussion Stehenden des Für und Wider zugleich gerecht: „Es geht hier nicht um Gesetze oder Vorschriften, sondern immer um die gleichberechtigte Zukunft für unsere Kinder.“

Nach seinen Worten ist Integration keine Utopie, sondern wird in vielen Ländern dieser Erde als erfolgreich praktizierte Wirklichkeit, die pädagogisch betrachtet verantwortbar und sinnvoll ist, realisiert. Denn Schule habe die Aufgabe, bei den anvertrauten Kindern Lernprozesse anzuregen, aber nicht, Kinder auszusondern. „Hierbei ist allerdings ein Perspektivwechsel im Denken notwendig“, appellierte er. Die Frage, wie leistungsfähig ein Kind sein muss, um als integrationsfähig eingestuft zu werden, müsse neu gestellt werden. Richtig gestellt ist die Frage: Wie muss die Schule beschaffen, ausgestattet oder organisiert sein, damit sie in der Lage ist, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen zu integrieren. Im Vortrag belegte er seine Aussagen anhand fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse, die überzeugten. Bleibt also festzuhalten: Integration ist der einzige Weg in eine gleichberechtigte Zukunft und ein wesentliches Element, sozialer Entwurzelung vorzubeugen. „Was wir heute beginnen wird nicht nur in M-V Auswirkungen zeigen, sondern das gesellschaftliche Denken und Handeln reformieren und so die Gesellschaft positiv verändern“, so der Bildungsstaatssekretär Michallik. „Das konkrete Kind ist der Maßstab dessen, was wir perspektivisch anders gestalten wollen.“

Ein gutes Ziel, was durch politische Einstimmigkeit und politische Tat stark unterstützt werden muss.