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Dieser Artikel wurde am 01. Dezember 2010 um 06:10 Uhr in der Rubrik Allgemeines veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

Beeindruckendes Benefizkonzert in der Bergener St. Marienkirche

Höhepunkt der diesjährigen Anti-Gewalt-Woche war erneut die Kerzenaktion „Ein Licht für jede Frau“ - die von Gewalt betroffen ist

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Der Chor der Klassenstufe 8 bis 12 des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bergen unter Leitung von Ole Freimuth in der Bergener St. Marienkirche.Foto: Djamila Ilanz

Bergen auf Rügen (apf). Im Rahmen der diesjährigen Anti-Gewalt-Woche vom 22. bis 26. November wurden auch auf der Insel Rügen zahlreiche Veranstaltungen angeboten, die sich dem Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder widmeten. Eine dieser Veranstaltungen fand am Mittwoch vergangener Woche in der Bergener St. Marienkirche statt - ein Benefizkonzert mit dem Chor der Klassenstufe 8 bis 12 und Schülerorchester „ad libitum“ des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bergen unter Leitung von Ole Freimuth und Kantor Frank Thomas.

Rund 70 Sängerinnen und Sänger sowie Musiker waren in der Kirche erschienen, um bei ausgezeichneter Akustik das Publikum auf ihre Art zu erfreuen und auch zum Nachdenken anzuregen. Bestandteil des Benefizkonzertes war auch wieder die Kerzenaktion „Ein Licht für jede Frau“. Dabei wurden Kerzen und Teelichter für jede Frau anonym entzündet, die auf der Insel durch häusliche Gewalt betroffen war oder betroffen ist und deren Schicksal den Gästen des Konzertes bekannt wurde. „Im Jahr 2009 haben auf der Insel Rügen 125 Frauen und 60 Kinder die Hilfe und Unterstützung der Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt benötigt“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Rügen, Djamila Ilanz. 67 Frauen und 48 Kinder wurden durch die Polizei an die Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt in Stralsund gemeldet.

Jährlich suchen etwa 80 neue Klientinnen die MISS. Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt auf. Die Dunkelziffer der Betroffenen liegt wohl 20 mal höher, weil sich nicht jede Frau, nicht jedes Kind traut, sich mit seinem Problem anderen anzuvertrauen. Doch gerade dies würde die notwendige Hilfe bedeuten ...

Das Konzert mit der verbundenen Kerzenaktion fand auf Rügen bereits zum fünften Mal. Knapp 200 BesucherInnen waren von dem eindrucksvollen und emotionalen Programm des Chors und des Schülerorchester „ad libitum“ des Gymnasiums Bergen unter Leitung von Herrn Freimuth begeistert. Der Kantor zu St. Marien, Frank Thomas, sowie das Blechbläserquintett und Posaunenquartett der Musikschule Rügen trugen ebenso zum Gelingen des Konzertabends bei.

Im Rahmen einer Tour durch Westmecklenburg mit Flaggenhissung anlässlich des Internationalen Gedenktages „NEIN zu Gewalt an Frauen“ sagte die Die Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung, Dr. Margret Seemann (SPD): „Fast jede vierte Frau in Deutschland musste nach ihrem 16. Lebensjahr mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft erleiden. Sind Frauen von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen, dann findet die Gewalt demnach meistens im häuslichen Bereich bzw. in der Partnerschaft statt. Dadurch bleibt die Gewalt häufig verborgen und unbestraft, während sich die Opfer mit dem Problem alleingelassen fühlen. Es ist deshalb erforderlich, die Problematik ,Gewalt an Frauen’ bzw. ,häusliche Gewalt’ stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und zu enttabuisieren.

Öffentliche Aktionen und Symbole wie das Hissen einer Flagge schaffen Aufmerksamkeit, leiten eine notwendige Debatte ein und zeigen den Opfern häuslicher Gewalt, dass sie von der Gesellschaft Unterstützung erhalten. Damit wird den Opfern Mut gemacht, aus der gewaltgeprägten Beziehung auszusteigen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Der Aktionstag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ findet jedes Jahr am 25. November statt. Er geht auf die Verschleppung, Folterung, Vergewaltigung und Ermordung dreier Schwestern im Jahr 1960 zurück, die im Untergrund gegen die brutale Diktatur in der Dominikanischen Republik aktiv waren. Seit 2001 wird auf Initiative der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e.V. zum Aktionstag eine Flagge gehisst, in diesem Jahr erneut auch in Bergen und Sassnitz.

Eine weitere Aktion für Frauen findet auch nach der Anti-Gewalt-Woche Fortführung - ein Selbstverteidigungskurs „Gewalt gegen Frauen - nicht mit uns!“ Zu diesen Kurs des „Frauen für Frauen Rügen e.V.“ und des Landkreises Rügen, der am 24. November um 18.30 Uhr für Mädchen und Frauen im Alter von 18 bis 55 Jahren in der Netzwerkstelle „Frauen und me(e)hr“ in der Hermann Matern Straße 34 in Bergen begann, gibt es am heutigen Mittwoch, 1. Dezember, sowie am 8. und 15. Dezember (18.30 Uhr an gleichem Ort) eine Fortführung. Sven Schwarzrock, Schulleiter Wing Revolution Bergen, wird den Teilnehmerinnen lernen, Bedrohungssituationen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Im Training werden diese Situationen bis zur Eskalation trainiert und die Teilnehmerinnen leisten aktive Gegenwehr. Sie erkennen eigene Stärken und Schwächen und diese auch beim Angreifer. Ebenso werden Möglichkeiten trainiert, die eigene Stärke mittels Hilfsmittel zu verstärken. Auch die Verteidigung am Boden wird erläutert und trainiert. Teilnehmerinnen bringen zum Kurs robuste Sportbekleidung mit. Nachfragen und Anmeldungen über Djamila Ilanz unter Telefon (03838) 813313.