Anspruch und Realität
Tourismuskonferenz der Linken
Ostseebad Binz (fm). Wenn man über Erholung, Urlaub und Tourismus redet, kann man dies allgemein und global, aber auch sehr konkret tun. Ganz besonders gut geht dies allerdings in der touristischen Hochburg des Landes, im „Haus des Gastes“ im größten Rügener Seebad, wohin die Land- und Kreistagsfraktion der Linken am letzten Freitag zu einer tourismuspolitischen Konferenz eingeladen hatten. Die von Mathias Scheibe moderierte Veranstaltung befasste sich u.a. mit dem Spannungsverhältnis von Naturschutz und Tourismuswirtschaft, Kinder- und Jugendreisen, Steuerfragen und dem Lohn- und Ausbildungsniveau in der Branche.
Den Einstieg lieferte der tourismuspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken Dr. Ilja Seifert, der Artikel 24 der UN-Menschenrechtskonvention ins allgemeine Gedächtnis rief: „Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“ Dass man von diesem Anspruch in der Bundesrepublik noch weit entfernt ist, belegte der Redner damit, dass in der Berechnung von Regelsätzen überhaupt keine Erholungs- und Urlaubsansprüche eingingen.
Thomas Wuitschik, Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen, klärte nicht nur über den aktuellen Sachstand in der Diskussion um eine Tourismusförderabgabe auf Rügen auf, sondern lenkte die Aufmerksamkeit auch auf andere Rügener „Baustellen“, so auf die zu geringe Zahl inseltypischer Angebote, Probleme bei der Fachkräftesicherung und mangelnde Freundlichkeit gegenüber Gästen. Vor allem wünschte er sich, wohl mit Zustimmung der allermeisten Teilnehmer, dass Rügen nicht nur eine Insel ist, sondern auch mehr als eine Insel agiert. Helmut Holter, Fraktionschef der Linken im Schweriner Landtag, verwies insbesondere auf die große Bedeutung und die Leistungen der Tourismuswirtschaft im Lande und verband dies mit Forderungen, vorhandene Potenziale in allen Landesteilen zu nutzen und insbesondere mehr auf die Nachhaltigkeit von Angeboten zu achten. So sehnten sich viele Menschen nach einer Entschleunigung im Urlaub und möchten Regionalität erleben und erhalten wissen.
Der kleine Wermutstropfen der Veranstaltung liegt darin, dass die übrigen im Kreistag vertretenen Fraktionen mit Ausnahme des Bündnis für Rügen der Einladung nicht folgten.
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