ACE Schulweg-Doktor auf der Insel Rügen
Auto Club lobt vorbildliche Arbeit an Schulen - deckt aber auch grobe Mängel auf
Rügen (apf). Alle vier Minuten passiert, statistisch gesehen, in Deutschland ein Schulwegunfall. 118.563 Schulwegunfälle im Jahr 2008 sprechen eine deutliche Sprache. Allein 11.067 Kinder verunglückten 2009 mit ihrem Fahrrad. Deshalb hat der Auto Club Europa (ACE) die Aktion „Schulweg-Doktor“ ins Leben gerufen, bei der die Schulwege einer genauen Prüfung unterzogen werden. „Denn rechtzeitig auf Stärken und Schwächen aufmerksam zu machen, Eltern und Schule in die Diskussion und Veränderung der momentanen Situation einzubeziehen und die Schüler für die Gefahren auf dem Schulweg zu sensibilisieren ist eine echte Chance, Schulwegunfälle zu minimieren“, so Werner Kühnlenz, Kreisvorsitzender des ACE Rügen-Stralsund. Genau dies bezweckt die Aktion „Schulweg-Doktor“. Hier wurde mit Lehrern, Eltern, Polizei und Gemeinden diskutiert, wie die Verkehrssicherheit an den Schulen erhöht werden kann.
Auf der Insel Rügen nahmen die ehrenamtlichen Akteure des ACE in Zusammenarbeit mit der Rügener Kreisverwaltung 12 Grundschulen ins Visier, um nach einer vorgegebenen Sicherheits-Checkliste das Gefährdungsrisiko im Umfeld dieser Schulen zu erfassen.
Im Erfassungszeitraum haben an diesen 12 Schulen 1.703 Schüler die Schule besucht. Immerhin 502 Schüler bewältigen den Schulweg zu Fuß, 70 mit dem Fahrrad. Die überwiegende Mehrzahl nutzt den Bus oder wird von den Eltern mit dem Pkw zur Schule gebracht.
In allen Klassen wird Verkehrsunterricht erteilt, war eine gute Botschaft, die Frank Fleischhauer, Regionalbeauftragter des ACE für die Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Sachsen Anhalt, auf dem letzten Kreistag zur Auswertung der Aktion berichten konnte. Aber: Nur in sieben Grundschulen gibt es Verantwortliche für die Schulwegsicherheit, einen Schulwegplan, der den sichersten Weg zur Schule benennt, konnten lediglich fünf Schulen vorweisen. Was einst ein wesentliches Moment des sicheren Schulweges war, ist auf Rügen scheinbar vergessen: Schülerlotsen im Umfeld der Schule.
Ein leidiges Problem ist die Situation des unmittelbaren Parkens vor Schulen in stark befahrenen Straßen. Hier ist es notwendig, dass im Umfeld dieser Schulen Möglichkeiten geschaffen werden, den Eltern und Schülern ein gefahrloses Absetzen bzw. Abholen zu ermöglichen, ohne den fließenden Verkehr zu behindern bzw. zu gefährden.
Bewährt haben sich auf Rügen bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung vor Schulen wie Fahrbahneinengung, Aufpflasterungen oder Fahrbahnschwellen. Allerdings: An fünf Schulen wurden keine dieser Maßnahmen realisiert. Auch die Sicherung des Schulgebäudes und des schulischen Umfeldes zur Straße hin in Form von umschließenden hecken oder Zaun stand im Blickpunkt der Kontrolleure, die feststellen mussten, dass an drei Schulen hier ein Nachholebedarf besteht. Ebenso besteht Nachholebedarf bei der Einrichtung von Druckknopfampeln, Zebrastreifen oder Mittelinseln als Querungshilfe zur Erreichung der Schule, um nur einige Sachverhalte zu nennen, die nach ACE überdenkenswürdig sind, um Schlimmeres zu verhindern.
Fazit: Sechs der 12 überprüften Grundschulen haben „Grün“ für ihre Aktivitäten zur Gewährleistung eines sicheren Schulweges erhalten, fünf weitere Schulen ein „Gelb“ auf der Sicherheitsampel - und damit Hinweise zur Verbesserung der Situation. Nur eine Schule auf Rügen ist für die Experten des ACE mit so groben Mängeln behaftet, dass es dafür ein glattes „Rot“ gab. Gemeinsam mit Schulbehörden, Eltern, Polizei und Gemeinden sollten nun weitere Möglichkeiten sondiert werden, wie Schulwege sicherer gestaltet werden können. Dazu könnten nachfolgende Punkte wichtige Hinweise liefern:
die Geschwindigkeitsregelungen im Umfeld der Schule
Nutzung von Beschilderungen, Aufpflasterung und Verschwenkungen
die Sichtbarkeit und Übersichtlichkeit der Fußwege
Formen der Querungshilfen
Parkraummanagement
Bushaltestellen-Siuationen
Entwicklung der Radwege
Überprüfung der bereits vorhandenen Regelungen
Frank Fleischhauer nutzte die Kreistagsitzung, um drei Rügener Schulen für vorbildliches Engagement im Bereich Verkehrssicherheitsprävention eine Anerkennung auszusprechen. Das sind die Grundschule „Mönchgut“ Gager, Nationalparkschule Grundschule „Ostseeblick“ Sassnitz und die Volle Halbtagsgrundschule „Kranichblick“ Samtens.
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