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Dieser Artikel wurde am 16. April 2008 um 05:03 Uhr in der Rubrik Lokale Politik veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

36.950 Euro für ein Jugendbett?

Jugendherberge Prora mit 400 Betten: Kostenexplosion auf 14,78 Mio. Euro

Bergen auf Rügen/Prora (gü). Rund 37.000 Euro kostet ein Bett in der geplanten Jugendherberge in Prora! Wie Landrätin Kerstin Kassner (Die Linke) während des letzten Kreistages informierte, sind die Gesamtkosten von 12,55 Millionen auf jetzt 14,78 Millionen Euro für das Vorhaben gestiegen. Ein Kreistagsbeschluss zur Jugendherberge sieht allerdings vor, dass der Baubeginn am Block V in Prora erst beginnen dürfe, wenn die Finanzierung vollständig gesichert ist. Der Landkreis tritt hier als Bauherr für die geplanten 500 Betten auf. Bisher 500 Betten!

Während der letzten Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreistages informierte Bauamtsleiter Rainer Roloff darüber, dass die Kapazitäten von 500 auf 400 Betten reduziert werden sollen - aus Kostengründen! Ebenfalls reduziert werden soll die bisher anspruchsvolle Ausstattung der Herberge. So wird jetzt beispielsweise über zentrale WC-Anlagen sowie Sechs-Betten-Zimmer gesprochen. Rund ein Drittel der Kapazitäten sollen in diesem Umfang entstehen. „Wir haben das Projekt mit 400 Betten zur baufachlichen Prüfung eingereicht“, sagte Rainer Roloff gegenüber den Ausschussmitgliedern.

Mit der Finanzierungslücke liegt der Baustart auf Eis, das gesamte Vorhaben vielleicht vor dem Aus? Wo die 2,23 Millionen Euro Mehrkosten herkommen sollen, ist bis heute unklar. Der Landkreis setzt darauf, dass die bisherigen Mittelgeber nochmals die Spendierhosen anziehen und das finanzielle Loch schließen. Diese hatten bereits tief in die Taschen gegriffen. Das Bundessozialministerium unter Ursula von der Leyen (CDU) steht mit drei Millionen Euro zum Vorhaben, das Landessozialministerium unter Erwin Sellering (SPD) hat 2,8 Millionen Euro bereit gestellt. Des weiteren konnten 5,55 Millionen Euro über das Programm Interreg IVA gesichert werden, so Roloff weiter. Weitere 200.000 Euro sind aus Städtebaufördermitteln abgesichert.

Und dann ist noch eine Zusage über eine Million Euro seitens des Landesverbandes des Deutschen Jugendherbergswerks M-V in die Finanzierung eingeflossen. Dazu steht das DJH auch, wie Pressesprecherin Kathrin Röder auf Nachfrage dieser Zeitung betont. Eine Aufstockung der Mittel zur Schließung der Finanzierungsmittel sei allerdings nicht möglich, schränkt sie sogleich das finanzielle Engagement des DJH ein. Die Gedankenspiele seitens des Landkreises, die Bettenzahl sowie die Ausstattung zu reduzieren, scheinen beim DJH allerdings noch nicht angekommen zu sein. Zwar ist das DJH per Erbbaurechtsvertrag mit Eröffnung des Jugendzeltplatzes bei Bau der Jugendherberge Betreiber dieser Einrichtung. Auf die Frage, ob eine wirtschaftliche Betreibung bei Reduzierung der o.g. Parameter für das DJH noch Sinn mache, erklärt Sprecherin Röder: „Eine genaue Wirtschaftlichkeitsberechnung kann erst nach Vorlage der Eckdaten zu Ausstattung und Bettenzahl vorgelegt werden. Diese liegen bisher nicht vor.“

Landrätin Kassner hatte im Laufe der Sitzung des Ausschusses folgende Ausführungen gemacht: „Seit Februar 2008 werden bereits erste Sondierungen und Abstimmungen mit dem Deutschen Jugendherbergswerk Mecklenburg-Vorpommern und verschiedenen Zuwendungsgebern geführt, um kurzfristig Lösungsmöglichkeiten zur Deckung der Mehrkosten zu finden. Zunächst ist mit dem DJH nochmals unter Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen eine inhaltliche Abspeckung der Kapazität und Ausstattung zu prüfen.

Parallel dazu wird aber vom DJH und von den Zuwendungsgebern eine Stellungnahme erwartet, ob durch erweiterte Mittelbereitstellungen die Finanzierungslücke geschlossen werden kann. Erst nach Klärung der Gesamtfinanzierung für die Jugendherberge können die Planungsleistungen für das Vorhaben fortgesetzt werden. Vorher wird nichts passieren!“ Der Verdacht drängt sich nunmehr auf, dass DJH und Landkreis über unterschiedliche Vorhaben miteinander zu sprechen scheinen, wenn nicht gegenseitig bekannt ist, dass es „Abspeckungen“ in diesen Größenordnungen geben soll, wie den vorliegenden Antworten zu entnehmen ist. Kassner weiter: „Der Jugendzeltplatz ist auch allein lebensfähig, falls die Finanzierungslücke nicht geschlossen werden kann.“

Ausschussmitglied Bruno Heppner (SPD) empört: „Wir haben auf dem Kreistag nur die halbe Wahrheit gehört. Da war von Reduzierung der Bettenzahl nicht die Rede.“ Einige der Ausschussmitglieder kritisierten scharf die dadurch noch zusätzlich erhöhte Kostenexplosion des Vorhabens. Heppner weiter: „Es gibt zu viele Fragezeichen bei diesem Vorhaben. Weniger Betten + mehr Ausgaben = Aus für Prora?