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Dieser Artikel wurde am 16. Juni 2010 um 05:23 Uhr in der Rubrik Titelthema veröffentlicht. Sie können diesen Artikel auch ausdrucken.

„... Feuerwehraktion der Demokratie“

Staatssekretär Dr. Kreer auf Rügen / Erlass zur Bejagung von Raubwildarten

Von Wolfgang Urban

Nationalpark Jasmund. In dieser Zeitung war am 12. Mai über die harte Kritik von Holger Nebel, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rügen e.V., an der WMA (Wildmanagementanweisung für die landeseigenen Grundflächen in den Nationalparken von M-V) berichtet worden. Dabei bezeichnete er es als „grob fahrlässig“, dass u.a. die Bejagung von Marderhunden und Füchsen auf diesen Landesflächen unterbleiben sollte. Jetzt hat das Land eingelenkt und in der vergangenen Woche „Maßnahmen zur Prophylaxe und Bekämpfung von Tierseuchen und Zoonosen in der Wildpopulation“ erlassen. Eine der Festlegungen lautet: „Zum Schutz vor der Verbreitung von Tierseuchen innerhalb der Raubwildpopulation... wird hiermit angeordnet, mit sofortiger Wirkung bis auf Widerruf in den innerhalb der Nationalparke gelegenen Eigenjagdbezirken des Landes die Raubwildarten Fuchs, Marderhund und Waschbär unter Beachtung des § 22 Abs. 4 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes (Elterntierschutz in der Zeit vom 1. März bis 15. Juni) zu bejagen.“ Mit diesem am 9. Juni erfolgten Erlass hielt Dr. Karl Otto Kreer, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V, auf diesem Gebiet sein am Tag zuvor auf Rügen in einer Beratung mit Rügener Jägern und Politikern gegebenes Versprechen des schnellen Handelns ein. Weitere von den Jägern geäußerte Kritikpunkte sollen ebenfalls kurzfristig geklärt werden. Mehr dazu demnächst.

Lediglich bei der von Rügener Jägern auf der Beratung vorgebrachten Kritik an Dr. Michael Weigelt hielt sich der Staatssekretär bedeckt. Das Auftreten Kreers wurde ansonsten von den Jägern als erfreuliche Dialogbereitschaft gewertet. Mit anerkennenden Worten bezeichnete auch der Lohmer Bürgermeister Matthias Ogilvie das Bemühen des Staatssekretärs als „wohlwollende Feuerwehraktion der Demokratie“. Ob weitere „Feuerwehraktionen“ des Staatssekretärs erforderlich sind, hängt sicher davon ab, ob vor Ort eine Atmosphäre des demokratischen Dialogs gepflegt oder unterminiert wird. Letzteres befürchtet Kreisjägermeister Ulrich Mielke solange Dr. Michael Weigelt auf seinem Posten bleibt. Dass sich alles in jüngster Vergangenheit überhaupt so zugespitzt hat und diese „Feuerwehraktion“ des Staatssekretärs notwendig war, lag laut Holger Nebel „leider mit an fehlender Sach- und Fachlichkeit des Jagdwesens im Nationalpark Jasmund seitens der Dezernatsleitung in Person des Herrn Dr. Weigelt“. Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes ist indes froh darüber, dass jetzt wenigstens wieder „eine Bejagung der Prädatoren stattfinden kann“, also u.a. eine Bejagung des Marderhundes.

Einen entscheidenden Anteil am Zustandekommen der „Feuerwehraktion“ hatten die Rügener Landtagsabgeordneten Angelika Peters (SPD) und Udo Timm (CDU), die sich in Schwerin für die erwähnte Beratung auf Rügen einsetzten und auch aktiv an ihr teilnahmen.