Das Titelthema vom 10. März
Rügen: Gedenken gegen das Vergessen
Friedensandacht auf dem Sassnitzer RügenPlatz fordert: Nie wieder Krieg!

Vor brennenden Kerzen und dem Kreuz aus Stahl, das ein Künstler aus Schrott einer Bombe fertigte, schworen sich Rüganer auf dem RügenPlatz: „Nie wieder Krieg!“ Foto: Pfaffe
Sassnitz (apf). Noch immer liegt ein Zittern in der Stimme, wenn ältere Sassnitzer von den Abendstunden des 6. März 1945 erzählen. Zum 65. Mal jährte sich am Samstag jener Tag, an dem 1945 alliierte Flugzeuge Bomben auf den militärisch-strategischen und bis dahin unversehrten Hafen Sassnitz abwarfen und dabei auch Teile der Stadt zerstörten.
„Da der Hafen in den letzten Tagen des Krieges auch verstärkt Rückzugsort für kämpfende Truppen als auch für Lazarettschiffe und Flüchtlinge war, ist die Anzahl der Opfer des Bombenangriffs für die damaligen gemeindlichen Verhältnisse sehr hoch. Die Gemeinde selbst war in starkem Maße gefordert, die Toten beizusetzen. Da der Friedhof an der Waldmeisterstraße nicht ausreichte, wurde im Dwasiedener Wald ein Friedhof für die Opfer des Bombenangriffs angelegt“, so der Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz.
Seit Jahren gedenkt die Stadt dieser Opfer, auch durch die Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte. Auch am vergangenen Samstag gedachten die Sassnitzer mit Kranzniederlegungen an den Gräbern der Toten, um anschließend im Rathaus gemeinsam über das Geschehene zu sprechen. Am Abend versammelten sich dann 300 Sassnitzer und Rüganer, um bei einer Friedensandacht auf dem RügenPlatz ihrer Forderung „Nie wieder Krieg!“ Gehör zu verschaffen. „Wir erinnern in Würde und mit der Bereitschaft zur Versöhnung. Wir verabscheuen die Ideologie, die zum 1. September 1939 geführt hat, verabscheuen das Gedankengut, das Menschen in wertvoll und wertlos, in Herrenmenschen und Untermenschen sortiert hat. Wir verabscheuen nicht die Menschen, die so denken, denen reichen wir die Hand, um sie einzuladen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Gedankengut und laden sie ein, wirklich Bürger unserer Gesellschaft zu werden, in der Menschenwürde für jeden Menschen gilt, der in unserer Mitte lebt“, so Pastor Peter Nieber.
An diesem Tag hatte die NPD M-V zu einem Trauermarsch durch die Stadt aufgerufen, dem etwa 150 Anhänger folgten. Dieser stand unter dem Motto „Die Freiheit zertrümmert - kein Vergeben - kein Vergessen“ und zeigt einmal mehr die Verdrehung geschichtlicher Tatsachen. Rügen hat dem Vorhaben aber den Rücken gekehrt.
Geschichte darf nicht verdreht und missbraucht werden!
Gemeinsame Mitteilung der Jungen Liberalen, Jungen Union und Jungsozialisten von Rügen und HST
Sassnitz (DR). Die demokratischen, politischen Jugendorganisationen auf der Insel Rügen und in Stralsund – die Jungen Liberalen, die Junge Union und die Jungsozialisten – verurteilen den Aufmarsch der rechtsextremen NPD am vergangenen Samstag in Sassnitz. In einer gemeinsamen Mitteilung erklären die Jugendorganisationen: „Unter dem Vorwand eines Trauerzuges aus Anlass des 65. Jahrestages des Bombardements der Hafenstadt während des Zweiten Weltkrieges versuchten die NPD sowie weitere neonationalsozialistische Anhänger ihre völkerverhetzende, fremdenfeindliche und diktatorische sowie undemokratische Ideologie zu propagieren. Dabei sollte jedem Deutschen bewusst sein, bei wem die Hauptschuld des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges lag, der mehr als 55 Millionen Menschenleben forderte. Niemand sollte sich von demagogischen Parolen und geschichtsverdrehenden Behauptungen dieser extremen Menschen verblenden lassen. Die jungen und demokratischen Kräfte appellieren daher an alle Bürgerinnen und Bürger diesen abgehaltenen Aufmarsch und die Ideologie der NPD ebenso zu verurteilen. Denn Freiheit im Sinne des Grundgesetzes, die als fadenscheiniges Motto für den Aufmarsch galt, kennen diese neonationalistischen Gruppierungen nicht. Wir als junge demokratische Menschen verstehen die Freiheit als kostbares Gut, das das Individuum in den Vordergrund stellt und nicht, so wie es die NPD sieht, die Volksgemeinschaft, die der Persönlichkeit keinen Raum lässt. Aus diesem Grunde rufen die JuLis, die JU sowie die Jusos insbesondere die junge Generation auf: Setzt ebenfalls ein Zeichen! Lasst euch nicht provozieren und lehnt Extremismus in jedweder Form ab, egal ob linker oder rechter! Bekennt euch zu einer Gesellschaft, in der ihr persönlich eure eigene Freiheit bestimmen könnt und die es erlaubt würdevoll und gleich vor dem Gesetz in Deutschland miteinander zu leben. Die JuLis, die JU und die Jusos lehnen eine Teilnahme an gewaltbereiten Zügen kategorisch ab. Stattdessen streben sie eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte an und begrüßen politische Gespräche, die dem menschlichen Wohl eines jeden Einzelnen dienen.“
Die weiteren Themen der aktuellen Ausgabe
Aufruf zum Anbaden der Binzer Hoteliers und Gäste am 01. Mai
Ostseebad Binz (DR). Noch treiben Eisschollen an den verschneiten Binzer Strand. Schwer vorstellbar, dass in wenigen Wochen an dieser Stelle die ersten Wagemutigen in die Ostsee springen. Doch am 1. Mai ist es wieder soweit: Die Kurverwaltung Ostseebad Binz und der Fremdenverkehrsverein Binz laden zum traditionellen Anbaden der Binzer Hoteliers und Gäste an den Strand unterhalb des Kurplatzes ein. Bereits ab 13 Uhr gibt es Musik und Unterhaltung sowie einen Ausflug in die Geschichte des Badelebens mit dem Modeteam Dresden. Danach, um 14:30 Uhr, fällt der Startschuss zum Anbaden. Für die Teilnehmer stehen wieder Umkleidemöglichkeiten am Strand und Heißgetränke zum Aufwärmen zur Verfügung. Prämiert wird außerdem die größte Teilnehmer-Gruppe in originellen Kostümen. Der musikalische Auftakt zur Badesaison 2010 folgt gleich im Anschluss mit dem ersten Kurkonzert der Saison auf dem Kurplatz. Es spielt das Dresdner Salonorchester. Für Rückfragen zum Anbaden stehen der Fremdenverkehrsverein Binz/Rügen e.V., Telefon 038393-665740 und die Kurverwaltung Ostseebad Binz, Telefon 038393-148230 zur Verfügung. Den Rahmen für das Anbaden bildet in diesem Jahr erneut die „Binzer Sommerfrische um die Jahrhundertwende“ vom 30. April bis 2. Mai 2010. Während der historischen Tage im Ostseebad Binz erleben die Besucher unter anderem spezielle Führungen und Vorträge, den Lampionumzug mit dem Maibaumsetzen, Promenaden-Konzerte und natürlich viele Binzer in historischen Kostümen. Das Programm ist ab sofort unter www.ostseebad-binz.de zu finden.
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Sassnitz: 100 Jahre Rathaus Sassnitz
Münzen in Gold und Silber erinnern an das Jubiläum

Vorstellung der Münzen „100 Jahre Rathaus“ am vergangenen Donnerstag im Saal des wohl schönsten und größten historischen Rathauses auf der Insel. Foto: Pfaffe
Sassnitz (apf). Am vergangenen Donnerstag erhielt das Sassnitzer Rathaus ein „Goldstück“ im wahrsten Sinne des Wortes. Das Gute daran ist, dass auch Sie ein Solches erhalten können! „Heute begehen wir den ersten Akt zum 100. Jubiläum unseres Rathauses, das am 1. Mai 1910 erstmals bezogen wurde“, so Bürgermeister Dieter Holtz vor den anwesenden Gästen zur Präsentation der Münzen „100 Jahre Rathaus Sassnitz“, die in Zusammenarbeit mir der Sparkasse Rügen bei EUROMINT, der Europäische Münzen und Medaillen GmbH, in Auftrag gegeben wurden. Die Münze zeigt auf der Frontseite das Sassnitzer Rathaus und auf der Rückseite das Stadtwappen. Sie wurde in Feinsilber bzw. Feingold geprägt und hat einen Durchmesser von 30 bzw. 20 Millimeter. Michael Knippschild, Verkaufsleiter der EUROMINT, brachte die Münzen selbst nach Sassnitz. „Beide Münzen werden in der Ausführung ’Polierte Platte’ hergestellt. Die 999 Feinsilbermünze hat ein Gewicht von 8,5 Gramm und jene in 999,9 Feingold wiegt 3,5 Gramm. Die Münzen sind nicht limitiert, allerdings zeitlich nur bis zum 30. September 2010 erhältlich“, erklärte Knappschild. Der Edelmetallpreis der Münzen basiert auf dem Kurs vom 3. November 2009 freibleibend. Sie können die Münzen zum Preis von 29,90 Euro in Feinsilber und 199,90 Euro in Feingold bei der Sparkasse Rügen in den Filialen Sassnitz und Sassnitz -Lancken erwerben. Der Silberling ist dort sofort erhältlich, die Goldmünze wird nach Bestellung produziert und ist nach 10 Tagen lieferbar. Beide Münzen sind echte Anlagestücke. Schon vor der offiziellen Präsentation wurden etwa 40 Goldmünzen bei der Sparkasse Rügen bestellt. Das war von Christiane Schlotte zu erfahren. Beide Münzen werden übrigens inklusive Etui und Zertifikat angeboten.
Nach diesem „ersten Akt“ wird es noch viele weitere Höhepunkte zum Rathaus-Jubiläum geben. So ist man derzeit dabei, eine Ausstellung und ein würdigendes Sturmgespräch vorzubereiten. Dazu werden natürlich noch eine Reihe von historischen Zeitzeugen benötigt. So ist Wulf Krentzien beispielsweise eifrig auf der Suche nach „medizinischen Lichtbädern“, die hier einst Anwendung fanden. Denn neben den Verwaltungs- und Wohnräumen gab es einen Lesesaal (den jetzigen Trau- und Festsaal), 40 Wannenzellen, einen Raum für medizinische Bäder und einen für Lichtbäder. Wer also Fotos, Berichte oder Ähnliches - oder gar ein echtes medizinisches Lichtbad - sein Eigen nennt und dies dem Jubiläum zur Verfügung stellen möchte, der kann sich gerne an Birgit Garbuzinski unter (038392) 33898 oder per E-Mail archiv@sassnitz.de wenden.
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